Pen verabreicht

„Pen verabreicht – Kindergarten weigert sich“

„Der erste anaphylaktische Schock unseres vierjährigen Sohns (Erdnussallergie, Rast-Klasse 6, Erstdiagnose 08/2010) traf uns völlig unerwartet.
Es war ein Montag im November 2012. Unser Sohn besuchte wie immer den Kindergarten – es war für diesen Tag ein gemeinsames Frühstück geplant. Wir hatten Geflügelfleischwurst beigesteuert. Gegen 12 Uhr mittags kam der Anruf. Die Kindergärtnerin sagte, unserem Sohn ginge es irgendwie nicht gut. Vermutlich habe er sich an einem Stück Apfelsine verschluckt und bekäme schlecht Luft! Ich weiß nicht, warum, aber ich wusste sofort, dass es sich um die Allergie handeln könnte.
Zitternd und voller Panik raste ich zum Kindergarten (5 Minuten entfernt). Als ich im Gruppenraum ankam, standen alle etwas ratlos herum und unser Sohn saß auf einer Bank, den Rücken an die Wand gelehnt. Es war ein furchtbarer Anblick. Er rang nach Luft, schwitzte, versuchte dabei zu weinen, die sichtbare Haut im Halsbereich war feuerrot und ihm war anzusehen, wie verzweifelt er war.
Ohne auch nur eine Frage zu stellen, rannte ich zu seiner Kindergartentasche, worin sich das Notfallset (Jext-Pen, Rectodelt-Zäpfchen und Fenistil-Tropfen) befand. Ich verabreichte die Tropfen, weil ich befürchtete, dass er sie später gar nicht mehr einnehmen konnte. Anschließend spritzte ich den Pen in den linken Oberschenkel, was für unseren Sohn schmerzhaft war. Zuletzt gab ich das Rectodelt-Zäpfchen und sank kraftlos und zitternd zurück. Während der Medikamentengabe rief ich den Kindergärtnerinnen zu, dass sie bitte den Notarzt rufen und einen anaphylaktischen Schock melden sollten.
Es dauerte bestimmt 20 Minuten, bis der Notarzt eintraf (Anmerkung: bei einem von diesem Ereignis völlig unabhängigen Notfall eines anderen Familienmitglieds im Jahr 2010, der nachts auftrat, dauerte es ebenfalls unendlich lang erscheinende 25 Minuten, bis der Notarzt vor Ort war). Er stellte den Schock fest und nahm uns mit ins Krankenhaus, wo wir eine Nacht stationär aufgenommen wurden. Die Medikamente waren richtig von mir angewendet worden und bis auf erneute Fenistil-Gabe war keine weitere Behandlung erforderlich. Zusammenfassend hatten wir Glück.
Nach Rücksprache mit dem Kindergarten stellte sich heraus, dass natürlich nicht die Apfelsine die allergische Reaktion ausgelöst hatte, sondern die versehentliche (Katastrophe!) Gabe von No-Name-Cornflakes. Diesen waren trotz mehrfachen Hinweisen auf die hochgradige Erdnussallergie aus einer gemischten Tupperdose gegeben worden. Aus unserer Sicht darf so etwas nicht passieren.
Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass es der Kindergarten ablehnt, die Notfallmedikamente aufzubewahren, geschweige denn zu verabreichen. Die Kindergärtnerinnen meinen, dass sie die Verantwortung nicht übernehmen. Sie wären dazu auch nicht verpflichtet!!!
Das Notfallmedikamentenset hatte sich über ein Jahr in der Kindergartentasche unseres Sohns befunden, weil es einfach nicht aufgefallen war, dass er die Medikamente immer bei sich hatte. Uns war nicht bekannt, dass das nicht erlaubt ist (Anmerkung: Die Medikamente sind bei versehentlicher Gabe nicht schädlich. Ein unbehandelter Schock endet jedoch sehr wahrscheinlich tödlich).
Seit dem Notfall sind wir nun gezwungen, dafür zu sorgen, dass sich immer ein Familienmitglied in der Nähe des Kindergartens befindet, falls erneut ein anaphylaktischer Schock auftritt, um die Medikamente verabreichen zu können. Wir halten das für eine sehr schlechte und unflexible Lösung. Mit Rücksicht auf unseren Sohn wehren wir uns aber nicht dagegen und prüfen auch nicht die genaue rechtliche Lage, denn der Kindergarten, in dem sich unser Sohn sehr wohlfühlt, ist nicht kooperativ und würde ihn vermutlich nicht mehr betreuen wollen. Das ist eine traurige erste Erfahrung für uns.“Alle Berichte geben persönliche Erfahrungen und Meinungen der jeweiligen Eltern mit ihren Kindern wieder. Es sind „O-Ton“-Berichte, die nicht unbedingt die redaktionelle Meinung und keine medizinischen Empfehlungen darstellen.

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