Tolle Texte

Tolle Texte von US-Bloggern für augenverdrehende Erd-/Nussallergie-Kritiker

Die folgenden Texte sind in den USA erschienen. Sie wurden übersetzt und hier eingestellt; über die Links kann man die Originaltexte anschauen. Einfach lesen und genießen!

Offener Brief an alle Erdnussallergie-Hasser

Originaltext: Alida Makes, „An Open Letter to the Peanut Allergy Haters“, erschienen am 12.01.2012 auf http://www.alidamakes.com/2012/01/open-letter-to-peanut-allergy-haters.html (Veröffentlichung der deutschen Version mit Erlaubnis der Autorin; Übersetzung: Kristina Schmidt)
Offener Brief an alle Erdnussallergie-Hasser
Ich war genau wie ihr.
Vor ein paar Jahren gab es in Gabriels Klasse ein Kind mit einer Erdnussallergie. Das Kind tat mir leid, aber nicht, weil es keine Erdnüsse essen konnte, sondern weil ich dachte, dass seine Mutter total neurotisch war. Bei jeder Klassenfeier wich sie diesem armen Kind nicht von der Seite, um sicher zu gehen, dass es nichts aß, nichts berührte und nichts anschaute, das Spuren von Erdnüssen enthalten könnte. Sie wirkte auf mich hypernervös. Es ist mir unangenehm, das zu sagen, aber ich habe mich über sie lustig gemacht. Es ist nicht so, dass ich nicht wusste, dass Erdnussallergien gravierend sein können, ich dachte halt bloß, dass sie nur Kinder von solchen Müttern treffen können.
Ich dachte, die Kinder mit Erdnussallergien hätten alle verrückte Mütter, die alles um sie herum desinfizieren, bis ihr kleines Immunsystem so unterfordert ist, dass es schreckhaft wird. „Meine Kinder werden niemals solche Nahrungsmittelallergien haben“, dachte ich selbstgefällig, „ich lasse sie Dreck essen! Ich desinfiziere nicht alle 15 Sekunden ihre Hände. Meine Kinder haben ein gesundes Immunsystem!“
Tja, nenn es Karma, wohlverdiente Strafe oder göttliche Fügung, aber jetzt habe ich ein Kind mit Erdnussallergie, komplett mit Epipen und medizinischem Notfallarmband.
Ja, es stimmt, ich bin jetzt eine solche Mutter. Jeder, der mich kennt, wird bestätigen, dass ich eine ziemlich gelassene Mutter bin. Ich bin keine Glucke, ich lasse sie manchmal hinfallen, ich schaue weg, wenn sie etwas vom Boden essen (selbst bei Hundefutter). Aber ich habe gelernt, dass es unmöglich ist, bei einer Erdnussallergie gelassen zu sein. Die tödlichste aller Nahrungsmittelallergien? Eher schwierig, dabei locker zu bleiben.
Mein wundervoller Schwager, den ich wirklich sehr mag, besuchte uns vor kurzem und brachte einen Reese’s Erdnusssnack mit. Er öffnete ihn, aß ihn, und legte das Papier auf den Esstisch. Oh mein Gott! Ich drehte durch. Ich versuchte wirklich sehr, nicht wie eine kreischende Irre zu klingen, aber ich hörte, wie meine Stimme immer mehr nach Joan Crawford klang. (Keine…Erdnüsse…mehr…in diesem Haus…NIE mehr!) Zum Glück waren keine Kleiderbügel in der Nähe.
Ich glaube, das ist genau der Punkt: Bevor ich ein erdnussallergisches Kind hatte, dachte ich, dass die Glucken-Mütter die Erdnussallergien verursachten. Das klingt jetzt bescheuert, aber so war’s wirklich. Heute weiß ich, dass es andersrum ist, nämlich dass ein Kind mit Erdnussallergie zu haben tatsächlich jede Mutter in eine gluckenhafte, kreischende, paranoide Irre verwandelt.
Hi, mein Name ist Alida und ich bin eine Irre. Also sei nicht zu selbstgefällig, du könntest die nächste sein.

Brief von einer nervenden Erdnussallergie-Mutter

Originaltext: Jen, „A Letter From an Annoying Peanut Allergy Mom“, erschienen am 15.10.2012 auf http://www.fillingupmycup.com/2012/10/a-letter-from-annoying-peanut-allergy.html (Veröffentlichung der deutschen Version mit Erlaubnis der Autorin; Übersetzung: Kristina Schmidt)
Brief von einer nervenden Erdnussallergie-Mutter
Letztens unterhielt ich mich mit ein paar Müttern, die ich nicht so gut kannte. Eine von ihnen beschwerte sich darüber, dass ihr Kind schon wieder in „einer von diesen erdnussfreien Klassen“ steckte. Die anderen tauschten wissende genervte Blicke aus und verdrehten die Augen. Ich lächelte höflich und teilte ihnen dann mit, dass mein Kind eines von diesen nervenden „Allergie-Kindern“ sei, das keine Nüsse essen kann. Natürlich ruderten dann alle zurück und schauten verlegen. Ich war total überrascht und sagte an dem Tag nicht all das, was ich dachte… Das bereue ich heute noch. Dies ist meine Art, das in Ordnung zu bringen:
Liebe augenverdrehende Mutter,
ich weiß, es nervt, dass dein Kind auf sein Lieblingsessen verzichten muss, wenn es mit meinem Kind in die Schule geht. Und ich weiß, dass deine niedliche Snackidee in Raupenoptik durch uns ruiniert wird. Das tut mir Leid.
Ich weiß, dass du denkst, dass dein Kind das Recht hat zu essen was es will, auch wenn andere Kinder nicht dasselbe essen können. Und du hast Recht, das kann es.
Die Sache ist nur die… mein Kind hat das Recht, zur Schule zu gehen, ohne dass es Angst haben muss, zufällig etwas vom Frühstück deines Kindes zu verschlucken und etwas sehr Schreckliches zu erleben, nämlich sich vor aller Augen zu übergeben, während sein Körper von oben bis unten mit Ausschlag übersät wird, seine Zunge anschwillt, sein Hals sich verschließt und es nach Luft japst.
Ich denke, in diesem Fall wird das Recht deines Kindes, Erdnussbutterkekse mit in die Klasse zu bringen, von dem Recht meines Kindes, ein solches Debakel zu vermeiden, übertrumpft… meinst du nicht?
Das oben beschriebene Szenario heißt Anaphylaxie und das passierte meinem Baby, als es 22 Monate alt war und zum ersten Mal einen Bissen von einem Erdnussbutter-Sandwich probierte. Jeden Tag, wenn mein Kind mit deinem Kind in der Schule ist und ich woanders bin, geht mir diese Szene durch den Kopf, mindestens zwei bis drei Mal am Tag. Jeden Tag.
Wenn in der Schule Mittagspause ist, halte ich für die gesamte Stunde mein Handy bereit – nur für den Fall, dass ich den Anruf kriege. Machst du das auch? Rast dein Herz auch, an jedem einzelnen Tag der Woche zwischen halb zwölf und halb eins? Kannst du dir vorstellen, wie das ist?
Ich bitte dich nicht um Mitleid oder Aufmerksamkeit, augenverdrehende Mutter. Ich bitte dich um Hilfe. Ich brauche dich, andere augenverdrehende Mutter. Ich brauche deine Hilfe, um mein Baby sicher unterzubringen. Ich bin total abhängig davon, dass du die Regeln einhältst und deinem Kind beibringst, sich die Hände zu waschen und auf Nahrungsmittel mit Nüssen und Spuren von Nüssen zu verzichten, solange es mit meinem Kind in eine Klasse geht. Ich brauche deine Hilfe, weil ich nicht 24 Stunden am Tag bei meinem Jungen sein kann. Er ist kein Baby mehr und ich kann ihn nicht ganz allein beschützen. Er ist jetzt ein Teil der Welt, und genau so soll es auch sein.
Wenn ich sehen würde, wie dein Kind auf der Straße vor ein Auto läuft, weiß ich, dass ich alles in meiner Macht stehende dafür tun würde, um es zu retten. Ich weiß, dass du dasselbe für mein Kind tun würdest. Das machen Mütter eben so, oder? Wir sind Mütter für alle Kinder. Sieh es mal so: Wenn du kapierst, was “erdnussfrei” wirklich bedeutet, und lernst, wie man Zutatenlisten liest, ist das deine Art, mein Kind vor dem fahrenden Auto zu retten. Unterm Strich ist es so, dass schon der Verzehr von mikroskopisch-kleinsten Mengen Erdnuss meinen Sohn umbringen kann. Ich weiß, dass du nicht einen Moment zögern würdest, alles zu tun um das zu verhindern.
Schau mal, ich weiß, dass du eine gute Mutter bist und dass du dein allerbestes tust, wie wir alle. Ich weiß, dass du dasselbe für deine Kinder möchtest wie ich. Du möchtest, dass sie glücklich, gesund und unabhängig sind… und sicher. Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, oder? Also, wenn du das nächste Mal mit den anderen Müttern sprichst und eine von ihnen die Augen verdreht, weil da ein Kind mit einer Allergie in der Klasse ist, könntest du vielleicht für mich und meinen kleinen Mann Partei ergreifen?
Bevor ich gehe, wollte ich dir gerne noch das hier zeigen… (Foto ihres Sohnes)
Das ist mein kleiner Mann letzten Sommer in Disney World. Der Koch hatte ihm seinen eigenen Teller mit komplett erdnussfreiem Nachtisch angerichtet. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er in einem Restaurant Nachtisch bestellen konnte. Er war SO glücklich! Ich möchte einfach nur, dass er sich jeden Tag so sicher und sorgenfrei fühlen kann, WENN du mir hilfst!
Danke, augenverdrehende Mutter. Ich bin froh, dass wir uns unterhalten haben. Jetzt lass uns diese Unannehmlichkeiten beiseite packen und verdammt nochmal planen, wann sich unsere Jungs zum Spielen verabreden! Ich bringe die Sojanussbutter-Sandwiches mit…

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