Provokationstests

Orale Provokationstests

Orale Provokationstests sind die einzige Möglichkeit festzustellen, ob bzw. wie und auf welche Menge des Allergens ein Kind tatsächlich reagiert, wenn es zuvor noch keine eindeutige Reaktion gab. Dabei werden dem Kind unter klinischen Bedingungen kleinste, in bestimmten Zeitabständen gesteigerte Mengen des allergenen Lebensmittels verabreicht. Je nach Eindeutigkeit der Reaktion entscheidet der Arzt, ob der Test abgebrochen oder ob die Menge weiter gesteigert wird. Nach der Provokation hat man Gewissheit, ob wirklich eine Allergie vorliegt und das Allergen bzw. Spuren des Allergens gemieden werden müssen oder nicht. Im Idealfall können die Eltern – und je nach Alter auch das Kind selbst – danach besser einschätzen, wie hoch die Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion tatsächlich ist.

Ein sorgfältig durchgeführter Provokationstest ist absolut sinnvoll, im Ergebnis hilfreich und daher aus unserer Sicht empfehlenswert!
Die überwiegende Mehrheit der durchgeführten Provokationen verläuft unproblematisch.

 

In den letzten Jahren sind uns sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Provokationstests von Eltern aus allen Teilen Deutschlands berichtet worden:

  • Zeitabstand zwischen den einzelnen Dosis-Steigerungen: 30 Minuten (Standard) bis zu 3 Stunden
  • Anfangsdosis: 5 mg (= 0,005g) bis 2000 mg (= 2g, eine Dosis, die für viele Kinder lebensgefährlich wäre)
  • Allergengabe: pur, in Pudding o.ä., als Nussmischung, als Flips u.a.
  • Durchführung mit/ohne Placebogaben bzw. Placebotagen (offen oder doppelblind placebokontrolliert)
  • Durchführung mit/ohne intravenösen Zugang, Kreislaufüberwachung, Lungenfunktion usw.
  • mit/ohne Adrenalingabe bei eindeutiger anaphylaktischer Reaktion
  • Ärzte, die schon bei Babies Provokationen durchführen; andere, die vor dem Schulalter abraten
  • Ärzte, die Provokationen unabhängig vom IgE-Level (Sensibilisierungswerten im Blut) durchführen und andere, die eine Provokation bei hohem IgE-Level für nicht vertretbar halten

Eine Entscheidung für oder gegen eine Provokation hängt von vielen Faktoren ab, die individuell unter Berücksichtigung der Gesamtsituation sehr unterschiedlich sein können. Letztendlich ist jede Provokation eine medizinisch begründete Einzelfallentscheidungen.
Darüberhinaus ist es auch eine persönliche Entscheidung der Eltern im Sinne ihres Kindes, die abwägen sollten, was der mögliche Erkenntnisgewinn für sie bedeutet: Im besten Fall reagiert das Kind gar nicht oder erst bei einer relativ großen Menge, so dass das Allergen oder zumindest Spuren davon nicht mehr gemieden werden müssen. Man kann aber auch beim eigenen Kind eine (schwere) anaphylaktische Reaktion erleben, die auch unter klinischen Bedingungen kein „Spaziergang“, aber von erfahrenen Ärzten in der Regel beherrschbar ist.

Grundsätzlich empfehlen wir, eine erfahrene Klinik aufzusuchen, die nach Standard provoziert, und VOR dem Provokationstest alles Wichtige mit dem zuständigen Arzt zu klären:

Vorgespräch: Transparenz über den gesamten Ablauf der Provokation:

Standard oder Ausnahme? Ärzte haben Standards, an die sie sich halten sollten. Leider werden dabei manchmal Beobachtungen der Eltern als „irrelevant“ oder „überbesorgt“ abgetan. Aus Sicht eines Arztes, der in seinem Berufsalltag auf viele sehr besorgte Eltern trifft und sich an objektiven, sachlichen Standards orientiert, ist das nachvollziehbar. ABER: Es gibt tatsächlich Einzelfälle, die nicht dem Lehrbuch entsprechen und die dennoch berücksichtigt werden sollten, z.B. schwere Reaktionen erst Stunden nach dem Verzehr (von Spuren) des Allergens.
Im Vorgespräch lassen sich außerdem viele Fragen klären, z.B.:
Welche Erfahrungen hat das Krankenhaus mit Provokationstests? Gibt es ggf. ein spezialisiertes Krankenhaus im weiteren Umkreis?
Mit welchem Ziel soll die Provokation stattfinden?
Wie wird der Test genau ablaufen?
In welcher Form wird das Allergen verabreicht? Kinder essen nicht immer bereitwillig alles, was man ihnen geben will. Gerade kleine Kinder, die auf ein Lebensmittel allergisch reagieren, verweigern oft das Allergen. Es kann hilfreich sein im Vorfeld zu besprechen, inwieweit das Allergen in einem anderen Lebensmittel „versteckt“ werden oder ggf. in anderen Formen gegeben werden kann. Das erspart dem Kind, den Eltern und dem beteiligten Klinikpersonal Stress.
Mit welcher Menge wird begonnen?
In welchen Zeitabständen und in welchen Mengenn wird die Dosis gesteigert?
Wie wird die Betreuung während des Tests sein?
Wie wird das Kind während des Tests überwacht (intravenöser Zugang, Monitor)?
Nach welcher Art von Reaktion wird der Test voraussichtlich abgebrochen?
Welche Medikamente würden im Fall einer anaphylaktischen Reaktion eingesetzt?

Konsequenzen aus dem Provokationstest:

Was genau bedeutet das Testergebnis für uns?
Müssen Spuren des Allergens gemieden werden?
Wann und wo bekommen wir eine Anaphylaxieschulung?
Wie werden wir weiter betreut?
Ist ggf. eine weitere Diagnostik notwendig?

Zu guter Letzt: praktische Tipps für den Krankenhausaufenthalt:

Ein Provokationstest kann sehr langwierig und für das Kind sehr langweilig sein. Da hilft eine gute Vorbereitung:
Fürs Kind (je nach Alter):
Kuscheltier
Spielsachen, Gesellschaftsspiele
Bücher, Malsachen
Hörspiele/DVDs/Tablet
ggf. ein kleines Geschenk/eine Belohnung
–> Dinge, mit denen das Kind sich ruhig im Zimmer beschäftigen kann, da körperliche Anstrengung eine anaphylaktische Reaktion begünstigen kann.
Für die Eltern:
Handy + Ladegerät
ggf. Zeitschriften, Bücher
Zettel und Stift für Notizen
eine Ablösung organisieren, um mal etwas essen oder an die Luft gehen zu können

Kommentare sind geschlossen